Dienstag, September 19, 2006

Kritzlei der Woche recurrent trash & output

Teil I: Assoziationen Mumbai

Das jene alles umhüllende dumpfe Smogwolke etwas noch veheerenderes als sie selbst enthalten konnte, mit Ausmaßen die sich nicht nur in geo- und demographischen Maßstäben messen lassen, und dem Charakter eines kindischen Chaoten der doch irgendwie mit allen Wassern gewaschen ist, hätte ich ihr aus der Höhe noch nicht zugetraut.
Doch selbst unten, in dem Moment des durch die Straßen fahrens sind es zunächst nur triviale Dinge die ich registriere. Es stinkt. Müll, Menschen, beides haufenweise, sind wie Mahnmale des Karnickelsymptoms am Straßenrand verteilt, umgeben von halbhochgezogenen Betonbauten, deren trostloses grau von noch viel trostloserem dunklen Moder überzogen im trostlosen Monsumregen ein geradezues Trostvakuum bildet. UndZACK knallt man wieder mit dem Kopf an die Autodecke. Die Straße hat schon wieder aufgehört zu existieren, und der Wagen rumpelt durch ein Feld aus Schlaglöchern. Man betrachtet die verdammt niedrige Wagedecke und stellt sich die rhetorische Frage: Warum? Doch schon werden Blick und Verstand von einer Riksha auf Backbord abgelenkt. Nach flinkem Zählen komme ich auf 13 Personen. Gedacht ist das Gefährt für drei... Und dabei schaut die betroffene Großfamilie als wäre es das normalste der Welt.
Nächste Impression – auch hier schaut der Mann als wäre nichts los - bei ihm ist allerdings nicht zu viel vorhanden. Zwei Beine, und ca einen halben Arm sind ab. „Wenn man die Ärmsten der Welt sieht, fühlt man sich reich genug zu helfen“ sagte schon Albert Schweizer. Doch der ist der Armut wohl noch persönlich gegenübergetreten. Wir sind längst vorbei. Ich werde eh noch ein halbes dutzend davon sehen bis zu wir ankommen... Alles überrumpelt einen hier. Lauter Bilder und Eindrücke die um mein begrenztes Erinnerungskontingent kämpfen. Ich schalte ab. Denke an unseren hemischen Garten mit dem Blick auf den ruhigen Bodensee. Manchmal fliegt da ein Vogel von A nach B...

Man sieht die Slums, man sieht den Smog, man sieht Bettler, und man sitzt im Stau.
Auch nach Tagen kann ich Mumbai nichts Schönes abgewinnen.
Sie ist wie ihr Name klingt.
Aber wenn Straßen einfach nicht fertiggebaut sind, Männer ungeniert kollektiv an den Straßenrand kacken, die obligatorischen Kühe die Straße blockieren und jeder geduldig wartet, Leute sich an die Fenster der Züge hängen, statt zehn Minuten auf den Nächsten zu warten und ich in den Autos links vom Lenkrad die kleinen Lord Ganesh-altare ausmachen kann, knallebunt und mit blinkenden Lämpchen und roten Hakenkreuzen – dann hat Mumbai doch eine gewisse Faszination. Ihre unkomplizierte, naive Art passt so gar nicht zu dem Moloch den man vor sich sieht, und die daraus resultierende Ironie macht sie charmant. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass all die Menschen, die teils unsere hiesige Armutsgrenze vielleicht als Ziel in drei oder vier Leben anpeilen, immer und jederzeit gut gelaunt zu sein scheinen. Sie schuften sich zu Tode und leben im Dreck, doch sie nörgeln nicht, sondern arbeiten weiter – sie machen das Beste daraus. Für mich wie eine verdiente Backpfeife, verstörend, provozierend, doch schließlich erleuchtend. Beschämend sowieso.

Montag, September 18, 2006

Es geht wieder los

work is the curse of the drinking class

Oscar Wilde