Donnerstag, März 23, 2006

Doch nicht Iowa

Nachdem ich schon ein paar Mal festgestellt habe, dass ich unter Fernwehsympthomen oder sowas leide, habe ich nun endlich eine Möglichkeit gefunden, jenen freien Lauf zu lassen. Ins Land der Freiheit natürlich. Vermutlich.
Glücklicherweise gibt es nämlich genug Wohlhabende, die trotz extern aufgezwungenes Sozialengagement, auch von sich aus derartige Tendenzen zeigen. Dazu gehören bsw auch die Herren (und seit 198x auch Damen) des Rotary-Clubs. Die engagieren sich nämlich löblicherweise für Völkerverständigung, und haben Menschen an sich, ganz besonders natürlich mich, sehr gern. Schüleraustausche gehören zum Repertoire. Da alle Kosten bis auf den Flug von dem Club getragen werden, konnte man den Plan auch mit unseren finanziellen Mitteln vereinbaren.
So habe ich mich also dort beworben, für einen immerhin 3-wöchigen Schüleraustausch nach Californien.
Ich musste auf die Schnelle ein vierseitiges Anmeldeformular ausfüllen, wobei die meisten Fragen schwerer zu beantworten waren als erwartet. Fragen nach Interessen und Hobbys, aber auch nach Führungspostionen meiner bisherigen "Laufbahn" oder Problemen, die die heutige Jugend betreffen, suggerierten mir schnell ziemlich hohe Erwartungen seitens des Clubs.
Um ein möglichst gutes Bild abzugeben, und meine Chancen zu verbessern, übertrieb ich deshalb natürlich maßlos und täuschte anstandslos Ambitionen vor. Alles, was mich auch nur ansatzweise jemals begeisterte, oder was ich irgendwann mal getan hatte, und sei es nur aus Zwang, kam auf die Liste. Ausgenommen natürlich alles was mit Alkohol, Rauchen, Drogen, und Ähnlichem zu tun hat. Also auch Wörter wie "liberal", die in Californien scheinbar durchaus als Beleidigung durchgehen zensierte ich ausnahmslos.
Zuletzt führte allerdings kein Weg daran vorbei, ein Foto meiner Fresse beizulegen, was in sofern problematisch war, da meine langen Haare gut erkennbar sind. Sie kennen ja Easy Rider...
Dennoch war ich optimistisch. Von der Zuverlässlichkeit der Post ausgehend müsste der Brief wohl noch gerade rechtzeitig am letzten Anmeldungstag eingegangen sein. Dementsprechend gespannt war ich auf eine Antwort:

Heute bekam ich einen Anruf. Und siehe da! Ich hatte natürlich etwas vergessen. Ich hätte mir läppische 3 Unterschriften von Rotariern besorgen müssen. Präsident, Sekretär und noch ein Mitglied des Distrikts. Zuerst Enttäuschung. Doch - man höre und staune - anscheinend gibt es da einen Jungen in Hinterland Wisconsins, in meinem Alter, der ähnliche Interessen hat wie ich!
Nun, ich werde nicht sagen, was ich heuchlerisches geschrieben habe, aber jedenfalls interessiert sich dieser Junge für: Philosophie, Literatur, Geschichte, Geogrpahie, Geologie, Theologie, Politik, Biologie, Lyrik, und noch ein paar Sachen, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Deutsch lernt er auch noch.
Zuerst wusste ich nicht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Zwar hatte ich wieder Hoffnung bekommen, doch auf der anderen Seite: Was ist das wohl für einer? Ich entschied mich vorerst für ersteres, trotz einer unterschwellig herablassenden Bemerkung über meine Haarlänge seitens des sonst recht freundlichen Herrn am Telefon. Ich versprach also die Unterschriften schnellstmöglich zu organisieren, bedankte mich überschwänglich und legte auf.

Sie glauben garnicht, wie gern ich wüsste, ob der Kerl ein totaler Streber, oder ein rücksichtsloser Hochstapler ist, wie ich...

2 Comments:

At 23/3/06 18:04, Blogger gladngt said...

hinterland stinkt, aber die staaten sind geil

 
At 24/3/06 12:01, Anonymous sabbeljan said...

eat the rich! jawoll.

PS: den typ aus dem hinterland haette man wohl eher fragen sollen, wofuer er sich NICHT interessiert ;-)

 

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