Mittwoch, Februar 15, 2006

FreiheitsPresse

Clash of Cultures - Kampf der Kulturen. Immer öfter wird in den letzten Wochen Herr Huntingtons gleichnamigen Buch zitiert. Alles deutet zu mindest auf einen großen Konflikt zwischen der abendländisch-semitischen Welt und der muslimischen Kultur hin. Vielleicht werden Historiker in 100 Jahren in den Hörssäälen darüber witzeln, wie eine harmlose Karikatur Impuls für einen solchen Streit werden konnte, doch die Schuldfrage bleibt.
Gingen die Karikaturen doch zu weit, oder nutzen die Muslime sie nur als Katalysator für ihre Vorurteile und ihren religiösen Eiffer?
Die meisten werden wohl Partei für unsere westliche Aufgeklärtheit, und damit auch die Pressefreiheit ergreifen, und Zweitere für die Ekalation verantwortlich machen. Doch ich denke genau da liegt das Problem. Wir leben in einer Hybris. Wir denken wir wären tolerant, siedeln unterbewusst aber alles andere unter uns an. Wir denken wir hätten die humanste Kultur, dabei kommen Menschenrechte & Co nicht aus innerer Erkenntnis, sondern sind extern in der Verfassung verankert und unser Wertekanon ist nicht viel mehr als die hohle Hülle des Wortes...

Natürlich ist noch ein großer Unterschied zwischen uns, und Muslimen, die ihre Töchter brutal beschneiden, oder Kinder wegen Mundraubs die Hände abhacken, doch auch wir haben keine weiße Weste.
Schlagwort: Pressefreiheit.
Momentan sind T-Shirts mit der dänischen Flagge ein Kassenschlager, und alle Lager rufen zur Verteidigung dieses glorreichen westlichen Guts auf! (Dabei erinnert mir nich nur das weiße Kreuz auf rotem Grund ganz entfernt an die Kreuzzüge...)
Nun, denn mal los - zieht blank und kämpft für die Demokratie!
Wenn ich diese Lage betrachte muss ich fast lachen.
1) Natürlich ziehen wir nicht wie der Mob durch die Straßen und zünden Dönerbuden an, aber im Geiste haben doch so einige keine Lust mehr auf Dialog, und würden lieber die direkte Konfrontation suchen. Und damit sind sie kaum besser als die vandalierenden Bazaarhändler in Teheran. Und was wollen sie dann noch verteidigen? Unseren kulturellen Vorsprung? Hmm...
2) Nagut, was wollen wir denn noch verteidigen? Achja die Pressefreiheit!
Jetzt mal echt. Wer ist so naiv und glaubt an solche Utopien?
Man stelle sich mal vor, die Karikaturen wären nicht antiislamistisch gewesen, sondern antisemitisch. Political Correctness. Da wären die dänischen Zeichner aber ebensoschnell geflogen wie der hier.
Die Tatsache, dass das jeder als verständlich empfinden würde, zeigt doch die ganze fatale Illusion der Presse- und Meinungsfreiheit.

Da ist es doch verständlich, dass sich die Muslime aufregen. Für sie schützt unsere Pseudofreiheit ihre Gegner, und diskriminiert sie selbst.
Nicht, dass das die Krawalle oder auch nur sowas rechtfertigen könnte, aber bevor wir über Nahen Osten und Islam herziehen, und versuch ihnen unsere Liberalität aufzuzwingen, sollten wir erstmal anfangen sie bei uns selbst zu suchen. Natürlich bin ich für Pressefreiheit, aber wenn schon, dann richtig! Dann besteht auch die Chance, dass die Aufklärung als authentisch und glaubwürdig empfunden werden kann. So wie wir sie jetzt vertreiben, kann sie uns kein Moslem abkaufen, und dient höchstens uns selbst als camoflagierte Scheuklappen.