Donnerstag, Februar 02, 2006

Disturbing The Peace (I/IV)

Tankreds Finger stockten in der Bewegung. So ein Zufall konnte es doch nicht geben. unmöglich; das musste ein Irrtum sein.
Der Tag war sonst bisher überaus durchschnittlich gewesen. Er war morgens um halb 10 aufgestanden, hatte sich gründlich gewaschen und sich die grob über den Stuhl geworfene Cordhose und das hellgelbe Polohemd vom Vortag übergestreift. Sein Magen hatte schon beim Rasieren Nahrungsansprüche gemeldet, doch er würde warten müssen. So wie jeden Freitag. Seit den letzten fünf Wochen zumindest. Seit Lena weg war, pflegte Tankred es immer im Cafe ein paar Straßen weiter zu frühstücken, und er mochte diese Angewohnheit. Ein Blick aus dem Fenster in einen sonnengefluteten, blauen Himmel verriet ihm, dass er heute weder Pulli noch Jacke brauchen würde. Für einen Exhibitionisten wie ihn eine durchaus wichtige Tatsache. Er nahm die Laptoptasche, stopfte die Tageszeitung hinein, und verließ das Haus.

Nicht viel später saß er an der Seepromenade im Cafe vor seinem französischen Frühstück. Er ließ sich von der frühsommerlichen Vormittagsathmosphäre berieseln, und atmete die frische Seeluft in tiefen Zügen ein. Abwechselnd beobachtete er interessiert die zielsicher über den Platz eilenden Leute oder schrieb am Laptop an seinem Roman weiter. Ein gediegener Freitag, ganz gemächlich, langsam, ohne Hektik, ohne Zeitdruck, ohne Stress - so hatte er es am liebsten. Er schwebte über dem wuseligen Treiben der Welt, und beobachtete es von außen, von weit oben. Ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen.
Schreiben konnte er so am besten. Die Sprache sprudelte nur so aus ihm heraus, und verwandelte seine Gedanken in vollendete, phantasiestimulierende Sätze. Er hatte auch diesen Satz bereits fertiggedacht, und schaute schon gedankenversunken auf, während seine Finger noch zielsicher über die Tastatur flogen. Da sah er ihn.

Später fragte er sich, ob er ihn von sich aus angesprochen hätte, doch die Möglichkeit bekam er garnicht erst. Der Mann hatte ihn entdeckt. Er blieb stehen, blinzelte ungläubig, und kam anfangs zögerlich, dann aber zunehmends sicherer auf ihn zu.
"Das ist ja ein Zufall - Tankred? " fragte der Mann.
"Peter! Mensch, das gibts doch nicht!" Tankred konnte es kaum glauben.
"Die Welt scheint doch zu klein zu sein."
"Du sagst es, und, wie geht's dir? Wie kommst du hier her?"
"Gutgut, mir geht's spitze. Bin hier nur zu Besuch. Quasi im Urlaub" sagte Peter während er neben seinem alten Schulfreund Platz nahm.
"Schönschön. Was machst du denn so?"
"Ich bin Fotograph. Selbstständig. Nicht besonders einträglich, aber es macht mir Freude, und reicht völlig aus.
Außerdem - wer weiß, vielleicht kommt ja noch der große Durchbruch..."
Tjaja. Der große Druchbruch. Sowas bräucht ich auch mal, dachte sich Tankred, und musterte Peter.
Er hatte ein bisschen was von einem Safaritouristen. Kurze Bermudas, in die er sein T-Shirt grob reingestopft hatte. Darüber trug er ein offenes Hemd, dass im Wind flatterte, sodass man fürchten musste, es flöge gleich weg. Peter war beneidenswert braungebrannt, und trug eine modische Sonnenbrille, die er jetzt aber auf die Stirn hochgeschoben hatte, und seine halblangen, lockigen Haare flatterten mit dem Hemd um die Wette.
"In welche Richtung geht's denn bei dir? Erzähl mal, was treibst du so?" fragte Peter
"Momentan versuche ich mich ein wenig als Autor."
"Oh. Nicht schlecht."
"Ja, doch - Ich bin ganz zufrieden. Aber ohne meine Frau wäre das Geld doch recht knapp."
"Soso, also auch vermählt? Wie lang denn schon?"
"4 Jahre sind es jetzt."
"Und wie läuft es?"
"Toll, ich hab das Gefühl das hält für ewig. Wir lieben uns wirklich. Lena heißt sie, aber sie ist momentan leider in Australien bei ihrer Mutter. Der geht es momentan nicht so gut. "
"Hmm, was Ernstes?"
"Ja, aber sie ist mittlerweile wieder auf dem Damm. Lena kommt in 3 Tagen zurück."
"Das freut mich. Ich bin auch glücklich verheiratet. Es könnte mir nicht besser gehen als jetzt."
"Schön zu hören! Und wo ist die Gute jetzt?" fragte Tankred
"Christina. Oh sie ist vermutlich da wo ich auch wäre, wenn ich dich nicht getroffen hätte. Sie war in der Stadt einkaufen, während ich ein geschäftliches Gespräch hatte. Wir wollten uns etwa jetzt treffen."
"Achso. Naja ich will dich nicht aufhalten..."
"Ach Quatsch. Mensch, es gibt so viel zu erzählen. Warte einen Moment, ich rufe sie kurz an."
Das könnte ein richtig schöner Tag werden, dachte Tankred, und bestellte noch einen Kaffee...

to be continued

3 Comments:

At 3/2/06 14:52, Blogger gladngt said...

du hast recht. tankred ist wirklich ein cooler name.
man bleibt gespannt

 
At 4/2/06 20:18, Blogger Rohrkrieg said...

Tankred regelt.
Noch

 
At 8/2/06 21:06, Blogger gladngt said...

oh-oh

 

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