Donnerstag, Oktober 27, 2005

Etwas Totes - wie geil

Ich fuhr gerade durch die Stadt.
An einer Eisenbahnüberquerung stauen sich die Wagen. Das rotierende Blaulicht zeichnet grelle Konturen in die Dunkelheit. Ein Unfall? Viele Leute in verschiedenen Uniformen stehen beschäftigungslos herum. Weiter hinten ist Ambulanz. Wohl ein bisschen mehr als ein kleiner Blechschaden, denke ich mir und spüre die Gaffgeilheit in mir aufkommen. Auch die anderen sind neugierig und fahren betont langsam vorbei. Die Vorahnung wird verdrängt. Man will einen unschuldig interessierten Blick in den Krankenwagen erhaschen, der offen steht. Als wüsste man nicht was einen erwartet. Die Beamten winken die Wagen halbherzig drängend durch. Sie wissen das sie die Leute nicht zum Schnellerfahren bewegen können.
Jetzt haben wir den Krankenwagen erreicht. Die Leute strecken die Hälse, schauen unschuldig herum, runzeln seriös die Stirn - sie wollen es sehen. Wie ein Kind in der Schlafzimmertür seiner Eltern, das doch nur wissen möchte was da los ist, obwohl es es nur zugut weiß. Wieso kann man nicht anders, als so scheinheilig unwissend hinzusehen? Wem will man das vorwerfen?

Er ist leer.
Wir überqueren die Schienen.
Nur durch das sich in der Plastiktüte reflektierende Blaulicht sieht man den Körper weiter hinten in der Dunkelheit.
Da ist man auch schon vorbei.
Grauenhaft.

1 Comments:

At 28/10/05 09:45, Blogger Bloggsberg said...

Du meine Güte. Aber ich kenne sowas.
Als letztes Jahr unser Nachbar vom Dach gefallen war, bildete sich ein regelrechter Gaffertourismus. Jeder wollte einen Blick auf die Farbkleckser in 7 m Höhe erhaschen und sich vorstellen, wie das wohl war, da runterzufallen.

 

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